Von Zeit zu Zeit beschert mir die Arbeit ein Projekt, bei dem ich merke, warum ich das, was ich tue, so liebe.
Anfang 2007 verschlug es mich nach Uruguay und Argentinien und ich war nicht nur mit tollem Wetter, traumhaften Landschaften und unglaublich liebenswürdigen Kunden gesegnet, sondern konnte auch einen meiner Träume erfüllen und echte Indianer kennenlernen.

Ich traue mich kaum, es an dieser Stelle zuzugeben, aber meine erste große Liebe war ein Indianer: Winnetou. Sobald ich lesen konnte, verschlang ich all’ seine Abenteuer. Ich habe Karl Mays Romanhelden vergöttert. Seinen Mut, seine Großzügigkeit (immerhin hat er die Liebe seines Lebens für den Frieden zwischen den Weißen und den Indianern geopfert), seinen Instinkt, seine unendliche Menschenliebe. Es gab damals keinen anderen Mann, den ich derart bewundert habe. Abgesehen von Old Shatterhand. Als kleines Mädchen träumte ich davon, mit den beiden Herren in wilder Ehe zusammenzuleben. Ihre Freundschaft hätte eine Beziehung mit der selben Frau zweifelsohne verkraftet. Ich brachte mir “indianische” Verhaltensweisen bei. Lief mit besonnener, keine Gefühle offenbarender Miene durch die Gegend, die meine Umwelt aus Unwissenheit als kindliche Arroganz interpretierte. Versuchte, bei Schmerzen nicht zu weinen und wenn wir nachmittags Cowboys und Indianer spielten, kämpfte ich an forderster Front. Während den „Frauen“ in unserer kindlichen Spielrunde eigentlich die Rolle der daheim gebliebenen, die Unterkunft in Schuss haltenden Squaw vorbehalten war, durfte ich nach vielen Betteln in die Rolle des jungen Häuptlingssohnes schlüpfen und tatsächlich in den Krieg gegen die weissen Siedler ziehen. Eine lange Narbe am Oberschenkel, die von einem Peitschenhieb mit einer dornigen Rute stammte, erinnert mich noch heute an diese unbeschwerte Zeit.
Eines Tages schrieb ich Pierre Brice einen langen Brief. Ich hatte gehört, dass er Geburtstag hatte und deshalb schickte ich ihm meine Glückwünsche und stellte ihm ein Dutzend Fragen. Lex Barker war eines Tages verarmt und unbekannt auf einer Straße in den USA zusammengebrochen und gestorben. Ich wollte wissen, wie Winnetou aka Brice mit diesem Verlust umging, ihn verkraftete, was nun aus ihm, ohne die Unterstützung durch den geliebten Freund werden würde. Die Antwort erlangte mich einige Wochen später. Begierig riss ich den Umschlag auseinander. Darin steckte ein unterschriebenes Foto von einem alten, abgehalfterten Mann mit zotteligen Haaren (oder einer sehr schlechten Perücke) und ein Werbeprospekt für die Karl-May Festspiele in Bad Segeberg. Diese vollkommen emotionslose Reaktion auf meinen Brief beendete meine Schwärmerei.

Doch zurück zum eigentlichen Thema, den Dreharbeiten für Bell. Bell ist der größte Wurst- und Fleischhersteller in der Schweiz.
Unser Werbespot sollte die Grillsaison einläuten und auf die Grillprodukte der Firma aufmerksam machen. In Zusammenarbeit mit der Schweizer Agentur Metzgerlehner entstand ein Film, der zum Schmunzeln verführt und neben den Szenen einer ausgelassenen Grillparty eine Geschichte um (meine) Indianer spinnt.
Regie führte mal wieder einer meiner Lieblingsregisseure, Florian Seidel.

Viele Gründe (echte Indianer als Darsteller, Monument-Valley-Landschaft) sprachen für einen Dreh in den USA. Viele Gründe (Logistik, Budget (damals stand der Kurs noch nicht so vorteilhaft), die Erfahrungen der TELEMAZ mit Dreharbeiten im Monument Valley) sprachen jedoch auch dagegen.
Es galt also, eine Location zu finden, die aussah, wie das Monument Valley, die jedoch aus produktionstechnischer Sicht geeigneter war. Fündig wurden wir in Uruguay und Argentinien. Mit Hilfe von Miggel & Sun drehten wir die Partyszenen in Montevideo und die Indianerszenen in Nord-Argentinien, 2 Stunden von Salta entfernt.
In der Gegend um Salta gibt es noch echte Indianer, die wir zum Casting einluden. Der jüngere der beiden stammt von vor Ort, der andere ist ein Schauspieler mit indianischer Herkunft aus Los Angeles.
Die Landschaft war traumhaft. Karge Vegetation und zerklüftete rote Felsformationen.


Alles in allem eines meiner Lieblingsprojekte mit großartigen Menschen.

Dieser kleine Film gibt einen kleinen Einblick in die Dreharbeiten:
Und hier haben wir das Endergebnis:
Einen Artikel über das sehr empfehlenwerte Hotel in Argentinien, in dem wir wohnten, habe ich hier veröffentlicht.
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