Ich hatte neulich ja bereits über meine tief empfundene Bewunderung für die Wanduhr “Sun Flower” von George Nelson und meinen Plänen, in Ermangelung des notwendigen Investitionskapitals, eine Papp-Sun-Flower selbst zu bauen berichtet.
An erster Stelle sei gesagt, dass sich die Seiten des Buches “The Paper Home” aus meinem Artikel, das die Bauanleitung für die Uhr enthält, bestenfalls selbst für ein Papier-Projekt eignen, wenn man es aus Frustration nicht zwischendurch bereits in die Tonne gehauen hat.
Aus diesem Grunde möchte ich an dieser Stelle meine eigene Anleitung veröffentlichen, auch wenn sie stellenweise nicht perfekt ist und sich bestimmt durch weitere Ideen verbessern lässt.
Vorab möchte ich mich noch aufrichtig bei allen Design-Puristen für den Frevel entschuldigen, einen derartigen Klassiker “nachzubauen”. Wir reden hier über eine Uhr aus Well-Pappe, die weder versucht, das Original zu kopieren noch ihm nachzueifern. Es ist ein Projekt das Spaß bringt und am Ende nett anzusehen ist.
Einkaufs- / Habenliste:
3x Well-Pappe naturfarben 50×70cm
3x Well-Pappe schwarz 50×70cm
1x Holzscheibe Durchmesser 12cm
1x Holzscheibe Durchmesser 14cm
1x Zeigerpaar
1x Quarz-Uhrwerk
1x Packung Musterbeutelklammern (die Dinger, mit denen man die Umschläge von Buchsendungen zumachen kann
1x Bilderrahmen-Aufhänger
1x Dose Lackspray schwarz matt
1x Dose Lackspray chrome
langes Lineal
Sprühkleber
Cutter / Skalpell
Tacker mit ausreichend Klammern
Kraftkleber
Schere
feines Sandpapier
Bohrmaschine
Bleistift
Cutter-Mappe

Fangen wir mal mit den grundlegenden Vorbereitungen an. Die beiden Holzscheiben werden schwarz lackiert. Dies muss man 3x wiederholen, also sollte man hiermit auch beginnen.
Ich habe die Scheiben mit schwarzem matten Lack aus der Sprühdose überzogen. Nach ca. 30 Minuten sind die Scheiben trocken. Nun sollte man sie kurz mit ein wenig feinem Schleifpapier abschleifen (damit sie schön glatt werden) und erneut besprühen. Nach erneuter Trockenzeit verfährt man genauso mit den Rückseiten.

Gleichzeitig beginnt man mit der Vorbereitung der Well-Pappe.
In der ursprünglichen Anleitung wird auf diesen Schritt verzichtet, doch bei der echten Sun Flower sind die Innenseite der “Strahlen” schwarz, also klebe ich mit Sprühkleber jeweils eine braune und eine schwarze Well-Pappe aneinander. Man kann an dieser Stelle auch nur die Rückseite der braunen Pappe schwarz sprühen oder einfache schwarze Pappe dagegen kleben, aber ich habe mich für 2 Schichten Well-Pappe entschieden, damit das ganze entwas haptischer und stabiler wird.

So. Nun ist es Zeit für einen frischen Milchkaffee und all’ die Sachen, die ich vergessen habe.
Bei der Tasse handelt es sich im übrigen um meine echte Nasa-Tasse, die mir meine Schwester mal aus dem Kennedy Space Center vom Cape Canaveral mitgebracht hat. Leider ist meine Lieblingstasse nicht Nasa geprüft und deshalb bereits mehrfach geklebt…
Wir werden die folgenden Dinge brauchen: Kraftkleber, Tacker, Lineal, Schneidemappe, Skalpelle, ein Telefon, weil ich das Gefühl habe, demnächst vielleicht einen Taschenrechner zu brauchen und ein Paar Würstchen für den kleinen Hunger zwischendurch.
Natürlich fehlen auf diesem Foto ein paar Sachen, wir mir kurz danach bewusst wird. Ein Bleistift zum Anzeichnen ist z.B. ebenfalls recht hilfreich.

Im nächsten Schritt offenbart sich bereits die erste grobe Schwachsinnigkeit in der Original-Anleitung. Da steht, man bräuchte ein (!) Stück Well-Pappe in einer Größe von 22×34 Inches, das man in 15 Streifen à 2×40 Inches zuschneidet. Es ist mir unbegreiflich, wie man aus 34-Inch großer Pappe 40-Inch lange Streifen schneiden kann. Auch lassen sich aus einem Stück Pappe maximal 11 Streifen schneiden und nicht 15. (Es sei denn, man nimmt die Pappe quer.) Hier muss jemand am Werk gewesen sein, der entweder betrunken oder nicht des Rechnens fähig war. Schade nur, dass ich 15 Minuten damit verplempert habe, hinter den tieferen Sinn dieser Angaben zu kommen.
Darüber hinaus stört es mich, eine Uhr mit 15 Elementen zu basteln. Immerhin sprechen wir hier von einer Uhr. Die 12 bzw. 24 Stunden anzeigt. Die original Sun Flower von Nelson hat ebenfall 24 “Strahlen”, also machen wir das genauso.
Es werden 24 Streifen à 70×5cm zugeschnitten. Aus jeder Pappe können wir 10 Streifen zuschneiden, so dass wir ein paar übrig haben, falls wir uns verschneiden.

Als nächstes werden die einzelnen Streifen in der Mitte gefaltet, die schwarze Seite liegt innen.
Wir tackern den zusammen gefalteten Streifen jeweils 2,5 cm vom Rand und einmal in der Mitte zusammen.
Danach werden jeweils 2 Teile wiederum in der Mitte zusammen getackert.
Ich weiss nicht, ob es an meinem Tacker liegt oder ob sich Well-Pappe nur schlecht tackern lässt: man muss alle Klammern auf der Rückseite mit den Daumennägeln noch einmal zusammendrücken, sonst löst sich das ganze wieder auf. A Farewell to my frisch-manikürten fingernails.

Halbzeit.
Immer schön drauf achten, dass alle Klammern in eine Richtung gehen, damit das Getackere später nicht allzu ungleichmässig aussieht.

Wenn man alles richtig macht, sieht das ganze aus, wie eine Art Akkordeon. Jeder einzelne Streifen ist 3x getackert und wird mit Hilfe von 2 Klammern an den Nachbarn getackert.

Während dessen kümmern wir uns weiterhin um das Lackieren der beiden Holz-Scheiben. Zwischendurch können wir ruhig schon mal ein Loch in die kleinere der beiden Scheiben bohren. Es muss recht gross sein, wie ich später feststelle.
Das Loch in der großen Scheibe habe ich gemacht, um die Uhr später aufzuhängen, doch da ich mich später dazu durchringe, das ganze mit Hilfe eines einfachen Bilderahmen-Hakens aufzuhängen, muss man das nicht unbedingt bohren.

Die Uhrzeiger gibt es nur in schwarz zu kaufen. Da man schwarze Zeiger auf einem schwarzem Kreis nicht so gut sieht, sprühe ich Zeiger und die kleinen Umschlag-Zumach-Dinger (so-genannte “Musterbeutelklammern”, die waren ursprünglich messingdarbend) in Chrome.

Nun schneiden wir auf der Vorderseite kleine Rechtecke aus, damit das Uhrwerk später rein passt.

Wir schliessen den Kreis, wie gehabt, indem wir zwei Teile mit 2 Klammern aneinander tackern.
Die größere der beiden schwarz lackierten Scheiben kleben wir mit Kraftkleber auf die Rückseite unseres Kreises (vorher alle “Strahlen” unbedingt gleichmässig ausrichten), beschweren das ganze und warten ein Stündchen.

Tja. Und nun weiss ich lange Zeit nicht weiter. Die Art und Weise, wie das Uhrwerk, die kleine Scheibe und meine Zeiger nun ineinander geschraubt werden, erschliesst sich mir in keinster Weise.
In der original Anleitung steht nichts dazu, es gibt keine Gebrauchsanweisung beim Kauf des Uhrwerkes und im Internet finde ich auch nichts.
Es bleibt mir nichts anderes übrig, als eine alte Uhr, die das selbe Uhrwerk hat, auseinander zu nehmen.

Zwischendurch stecke ich die chromefarbend lackierten Musterbeutelklammern auf die Uhr. Da sie nicht sonderlich gut halten, tackere ich sie ebenfalls fest.

Genau so muss das ganze später zusammen geschraubt aussehen.
Aufpassen beim Aufstecken des Minutenzeigers. Das Loch ist nicht rund und will nicht recht passen. Man muss auf das Gewinde achten, um die richtige Position zum Aufstecken zu finden.

Da alles wackelt, muss man offenbar einen Platzhalter zwischen Scheibe und Uhrwerk einbauen. (So ist es zumindest auch bei der Uhr, die ich zum Vorbild auseinander geschraubt habe.) Leider habe ich nichts passendes im Hause. Weitere Scheibchen, Zwischenringe, selbst Bierdeckel wären denkbar. Ich habe leider nichts dergleichen, also nehme ich einen kleinen Stapel Post-its und bohre ein Loch hinein.


Tatataaaa. Tja. Hier beginnt der Frust.
Das Uhrwerk liegt derzeit nur in dem ausgeschnittenen Kreis. Das war’s. Sobald sich die Uhr in die Senkrechte bewegt, fällt es natürlich heraus.
Die ursprüngliche Anleitung lautet: “Slot the clock mechanism into the cutout section at the front of the clock and place the card (die haben ja nicht so tolle Holzscheiben, wie wir, sondern Papp-Kreise) over it. Slot on the clock hands.” Das war’s. Vermutlich soll die Uhr im Liegen betrieben werden.
Ich würde ja alles einfach festkleben, aber da man ja vermutlich irgendwann auch mal an die Rückseite des Uhrwerks möchte, um die Uhr zu stellen oder die Batterie zu wechseln, kommt das wohl nicht in Frage. Hier bin ich gerne für Ideen dankbar.
Letzten Endes benutze ich doppelseitiges Klebenband, um das Uhrwerk an seinem Platz zu halten.
Beim Aufhängen fällt mir auf, dass die Uhr doch schwerer ist, als gedacht. Die unteren Strahlen ziehen ein wenig nach unten und die 3 Uhr bzw. 9 Uhr triften südwärts.
Ich schlage kleine Nägel auf 12, 3, 6 und 9 Uhr und drücke die Strahlenenden auf die Nägel, damit sie nicht zu sehen sind. Wir erinnern uns, dass die Klammern ja 2,5 cm vom Rand weg getackert wurden. Es gibt also kleine Lücken an den Enden der Strahlen, die sich hervorragend zum Verstecken der Nägel eignen und die Strahlen gleichzeitig in ihre richtige Position zwingen.
Viel Spaß beim Uhr bauen.
Sehr geil! Mir fehlt leider die freie Fläche, um die Uhr aufzuhängen, aber andernfalls würd ich mich glatt dran versuchen. Auch wenn es nach ganz schön viel Arbeit klingt. Jedenfalls danke für die Anleitung.
Ich weiß ja nicht, wie es im Original aussieht, aber auf den Fotos kommt es sehr stylish rüber und gar nicht selbst gemacht.
Danke. Und sooo viel Aufwand ist es nicht. Ein Nachmittag.
Hier sieht man das Original.